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Sonderausstellung Erzsébet Tóth

I M  G L A S M U S E U M  M A R I A H I L F



Zum Tag der Bezirksmuseen 2011 präsentierte das Glasmuseum Mariahilf eine Sonderausstellung über die ungarische Glasmalerin Erzsébet Tóth aus Budapest. Das Glasmuseum zeigte eine Auswahl kleinformatiger Arbeiten der letzten Jahre und die Glasmalerin arbeitete zum Ausstellungsbeginn vor den MuseumsbesucherInnen.

Die Glasmalerin Erzsébeth Tóth


wurde 1954 in Budapest geboren. 1968 begann sie eine Lehre als Glasmalerin in der Werkstatt der berühmten ungarischen Glasmalereikünstler József Palka und Miksa Tatár. Schon während ihrer Ausbildung nahm sie bei Restaurierungsarbeiten an historischen Sakral- und Profanbauten in der Hauptstadt Budapest und vielen Provinzstädten teil. So arbeitete sie z.B. an den Glasfenstern der katholischen Kirchen in Alsóvíziváros, Budapest und Kóny.  


Nach ihrer Gesellenprüfung arbeitete sie mehrere Jahre im Team der Werkstatt mit. Später begann sie Restaurierungen und andere Glasmalereiarbeiten alleine durchzuführen. Ihre Tätigkeit als Glasmalerin unterbrach sie für einige Jahre, um sich der Erziehung ihrer beiden Kinder zu widmen. Während dieser Jahre verlor sie jedoch nicht ihr Interesse an der Glasmalerei.


Nach dem Fall des eisernen Vorhangs gründete sie 1995 ihre eigene privatwirtschaftliche Firma, die Tárnics Lehr- und Dienstleistungs KG. In den letzten 10 Jahren führte sie ca. 20 Glasmalereirestaurierungen (zum Teil mit Unterstützung von Kollegen) durch, wobei sie hauptsächlich für Kirchen arbeitet Dabei reicht die Fläche der zu restaurierenden Fenster bis zu 70m².


Zu ihren Aufträgen gehörten Glasfensterrestaurierungen in der Frauenkirche von Soroksár/ Budapest, den katholischen Kirchen von Ajka, Budatétény, Dorog, Eszteregnye, Fonyód, Mór, Újszász etc. sowie viele weitere in öffentlichen Gebäuden und Denkmälern, wie dem Parlament, der Musikakademie und dem Ungarischen Landwirtschaftsmuseum in Budapest oder die Glasfenster des Postmuseums von Kőszeg. Neben Glasmalereien fertigt sie auch Ätzarbeiten an, eine Technik, die mittlerweile in Österreich fast ausgestorben ist. 


Am Tag der Bezirksmuseen 2011 zeigte das Glasmuseum Mariahilf neben der Sonderausstellung auch eine lebendige Glasmalereiwerkstatt mit der ungarischen Glasmalerin Erzsébet Tóth und der Wiener Glasermeisterin Elfriede Zahlner. Sie präsentierten ihre Kunstfertigkeit den Museumsbesuchern und standen dem Publikum für Fragen zum Thema rund um Glasmalerei und Kunstverglasung zur Verfügung.


Fotos dazu finden Sie in der Galerie.


Glasmalerei in Ungarn


Ab den 1840er Jahren wurde die Glasmalerei in Ungarn wiederbelebt. Zunächst wurde sie überwiegend in neugotischen Schloßbauten im Gebiet der heutigen Slowakei eingesetzt. Nach der Revolution von 1848 und dem Ausgleich mit Österreich 1867 kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jh. in Ungarn zu einem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung, der sich auch im gesamten Bauwesen und der Restaurierung historischer Bauwerke niederschlug. Anläßlich der Renovierung der Héderváry Kapelle in Györ/Raab 1861 durch den Architekten Joszef Lippert entstand der Wunsch nach einer professionellen Glasmalereiwerkstatt in Ungarn, wie es sie schon seit 1818 in München und seit 1841 kontinuierlich in Wien gab. Dazu beauftragte der Bischof von Györ/Raab, Johann Simor, den österreichischen Maler Josef Wilfing mit der Leitung der ersten ungarischen Werkstatt in Kroisbach bei Györ/Raab. Wilfling (geb. 1819) erwab seine Kenntnisse in der Glasmalerei nach seiner Ausbildung an der Akademie in Wien als Mitarbeiter in der Werkstatt von Heiligenkreuz. 


1878 wurde der Glasmaler Eduard Kratzmann (Prag 1847-1922 in Wien) vom damaligen Kultusminister nach Budapest berufen, um die Leitung des königlich-ungarischen Instituts für Glasmalerei zu leiten. Er arbeitete nach Entwürfen zeitgenössischer Künstler und für viele prominente Bauwerke, wie die Votivkirche in Wien, die Hauptkirchen in Bratislava/Pressburg, Cluj/Klausenburg und Oradea/Großwardein sowie die Matthiaskirche in der Budaer Burg und weitere Kirchen in Pest. 1891 wurde die Führung des königlichen Instituts für Glasmalerei vom Minister für Religion und Unterricht an Forgó & Partner übergeben. Bis 1896 arbeitete Kratzmann in einer eigenen Werkstatt in Budapest und ging dann nach Wien, wo er wieder eine Werkstatt gründete. Er konnte aber an die alten Erfolge nicht mehr anknüpfen und lebte in den letzten Lebensjahren von der Armenfürsorge.


Mit dem allgemeinen Aufschwung im Bauwesen wurden zahlreiche weitere Werkstätten für Glasmalerei in Ungarn gegründet, darunter die von Josef Palka (Retz 1859 – 1952 Budapest). Er  studierte zuerst in Wien, arbeitete dann in Sopron und eröffnete 1894 eine Werkstatt in Budapest. Er produzierte Fenster für über 600 ungarische Kirchen, alle im historistischen Stil. 1912 wurde er mit dem päpstlichen Verdienst-Orden Pro Ecclesia et Pontifice ausgezeichnet. Seine Werke finden sich in Budapest und im Gebiet der ehemaligen Monarchie, u.a. Kapelle der Mohácser Schlacht. 


Der vielleicht prominenteste ungarische Glasmaler war Miksa Róth (Budapest 1865-1944). Er  erhielt seine Ausbildung in der Werkstatt seines Vaters. Dann folgten ausgedehnte Studienreisen durch Europa. 1885 gründete er sein eigenes Atelier. Zunächst dem Stil des Historismus verhaftet, wandte er sich ab 1896 dem Jugendstil zu und war von Tiffany beeinflußt. 1900 gewann er auf der Pariser Weltausstellung eine Silbermedaille. In der Folge entwickelte er einen eigenen Stil. Seine Werke befinden sich in vielen prominenten Bauwerken Ungarns. Sein Haus mit der ehemaligen Werkstatt und Wohnung ist heute ein Museum.


Der größte Teil der heute erhaltenen Glasmalereien in Ungarn stammt aus der Zeit zwischen 1880-1920 und betrifft in der Mehrzahl Verglasungen von sakralen Bauwerken. Während es nur wenige Glasmalereien in reformierten Kirchen, Synagogen und Mausoleen gibt, hat sich eine Fülle von Glasmalereien in katholischen Kirchenbauten erhalten. Die meisten Glasmalereien in sakralen Räumen sind im Stil des Historismus gehalten, die wenigsten im Jugendstil.


Neben den sakralen Glasmalereien wurden ab den 1890er Jahren auch zunehmend Glasmalereien, Kunstverglasungen und Ätzarbeiten in profanen Bauten verwendet, wie Passagen, Museen, dem Parlament, Rathäusern, Universitäten etc. Dazu kamen Zierverglasungen in Wohnhäusern, deren Masse die Gang- und Stiegenhausfenster betrifft. Manchmal wurden aber auch Salons, Badezimmer und sogar Fahrstühle mit Glasmalerei ausgestattet. 


Öffnungszeiten: donnerstags 10:00 bis 12:00 Uhr und sonntags 11:00 bis 13:00 Uhr

Ort: Glasmuseum Mariahilf im Bezirksmuseum Mariahilf, Mollardgasse 8, 1060 Wien

Erreichbarkeit: U4, 12A, 13A, 14A Station Pilgramgasse.

Copyright Alicia Ysabel Spengler 2011-2012

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