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Zur Geschichte der Glasmalerei

Die Glasmalerei steht nie für sich allein. Da sie mit den Fenstern Teil des Bauwerks ist, ist sie dem Wandel der Baugeschichte unterworfen und stets im Kontext mit Architektur, Mosaiken, Wandmalerei etc. zu betrachten. Zudem entwickelt sie sich zeitweise parallel zur Tafelmalerei, Buchmalerei, Grafik etc.

 

 

Zur Geschichte der Glasmalerei

Bereits im 6. nachchristlichen Jahrhundert werden gemalte Fenster erwähnt. Äteste Fragmente haben sich aus karolingischer Zeit, wie im Kloster Lorsch, dem Züricher Frauenmünster oder in Kloster Tegernsee erhalten.

Aus der nachfolgenden Zeit der Romanik sind viele bekannte Beispiele überliefert, wie die Augsburger Prophetenfenster (um 1200). Sie zeichnen sich durch eine strenge symmetrische Anordnung aus und dadurch, dass Formen und Gestalten scharf und bestimmt dargestellt werden. Über das technische Verfahren der Glasmalerei gibt uns heute noch die aus dem frühen 12. Jahrhundert entstandene Schrift “Diversarum artium schedulae” des Theophilus Presbyter Aufschluss. Damals lag sowohl die Herstellung der Glastafeln, als auch die Ausführung der Fenster in einer Hand. Es entstand die bis heute erhaltene Tradition der so genannten “musivischen” Glasmalerei. (Siehe dazu auch in “Die Technik der Glasmalerei”.)

In dieser Zeit wurden auch die so genannten Grisaillen entwickelt. Für die Verbreitung dieser farblosen ornamentalen Glasmalereien werden oft die strengen Regeln der Zisterzienser verantwortlich gemacht. So verbat Bernhard von Clairvaux die Ablenkung durch Bilder. Stattdessen wurden Kunstverglasungen aus  Blankglas und mit komplizierten Flechtbandornamenten ausgeführt, später blühten darin Pflanzen, Phantasiegestalten und Ornamente auf. Zu den frühesten erhaltenen Beispielen gehören die Grisaillen in Stift Heiligenkreuz. Neben den Zisterziensern entwickelten auch die übrigen Klostergemeinschaften eigene Bildprogramme, die sich auf die Glasmalerei auswirkten, wie die Dominikaner und Franziskaner.

Mit den Kathedralen der Gotik veränderte sich die Architektur grundlegend. Die größeren Fensteröffnungen brachten neue Herausforderungen für Gestaltung und Ausführung der Glasmalerei. Zum Teil übernahm die Glasmalerei durch ihre Ausdehnung die Funktionen der Wandmalerei, deren Flächen deutlich beschränkt wurde. Die Kathedralen waren ein Spiegel des gesamten damals bekannten Kosmos und die Glasmalerei hatte ihre bestimmte Aufgabe darin. Sie bildete mit ihren Heiligenbildern in gemalter Architektur die transparente Fortsetzung der Architektur und war zugleich Bildträger großangelegter Zyklen. Die Konzepte wurden zum Teil von herausragenden Denkern entwickelt und beeinflusst. Damit erreichte die Glasmalerei in der Gotik einen Höhepunkt in ihrer Geschichte. Die Gesamtwirkung war teppichartig und von leuchtenden Farben bestimmt. Zu den besten Beispielen frühgotischer Glasmalerei gehören die der französischen Kathedralen, wie Chartres oder deutscher, wie dem Kölner Dom.

Neben der Änderung des Stils traten auch technische Innovationen auf, die der Glasmalerei neue Möglichkeiten eröffneten. Ab dem 14. Jh. sind Überfanggläser nachweisbar. Dazu kamen Metalloxydfarben, wie das Silbergelb. Ab dem 15. Jh. tritt die Glasmalerei vermehrt in profanen und Privathäusern auf. Dabei handelt es sich vor allem um Kabinettscheiben mit Wappen, Emblemen usw. Grundsätzlich folgte sie dabei der Entwicklung der Malerei. Dazu entwickelte sich in den Werkstätten die Arbeitsteilung: die Produktion der Gläser und die Entwürfe wurden aus der Werkstatt ausgelagert. Die Vorlagen lieferten berühmte Künstler wie Dürer, Schongauer, Holbein etc.

Die folgenden Glaubenskriege und kirchlichen Reformen brachten große Veränderungen auch für die Glasmalerei mit sich. Im 16. und 17. Jh. kam es zu einem Wandel in der Architektur. Mit Renaissance und Barock, dem Stuck und der feinteiligen Wandmalerei brauchte man bessere Lichtverhältnisse. Die Glasmalerei verschwand aus den Kirchenräumen und bediente nur noch den privaten Luxus. Die Wappenmalerei wurde noch lange in der Schweiz, vor allem in Basel, fortgeführt. Auch in den Niederlanden und besonders in England bestand die Glasmalerei bis ins 18. Jh. weiter, als sie über den Umweg der Porzellanmalerei an der Wende zum 19. Jh. auch wieder in Mitteleuropa Fuß fasste und zu einer erneuten Blütezeit gelangte.

Am Beginn der Wiederbelebung der Glasmalerei steht ab Mitte des 18. Jh. die von England ausgehende romantische Neugotik mit ihren Sammlungen alter Glasmalereien. Das mit den napoleonischen Kriegen erstarkte Nationalbewusstsein in Frankreich, Deutschland und Österreich führte zu Renovierungen und dem Wiederaufbau von Denkmälern und Kirchen. Die Restaurierung der alten Fenster brachte eine intensive Beschäftigung mit deren Technik. Dazu kam mit dem schnellen Bevölkerungswachstum in der Mitte des 19. Jh. die Notwendigkeit vieler Kirchenbauten, die im Stil der Neugotik ausgeführt wurden. So entstanden viele neue große Zyklen.
 

Ab 1870 wurden dann auch viele Privatbauten mit Glasmalerei ausgestattet. In Jugendstil und Secession erneuerte sie sich vor allem in stilistischer und technischer Hinsicht. Insgesamt hielt die zweite große Blütezeit der Glasmalerei bis zum 1. Weltkrieg an. Nach den notwendigen Renovierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit den Schäden des 2. Weltkrieg hat das Interesse kontinuierlich abgenommen. Heute werden fast nur noch Restaurierungen vorgenommen und sehr wenige Neuverglasungen angefertigt.

Alicia Ysabel Spengler M.A.

Fotos: Alicia Spengler 2004-2008

 Copyright (C) 2004-2012 Alicia Ysabel Spengler, Köln

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